Würdest du gerne ein Buch schreiben? Deine eigene Geschichte, etwas wie Harry Potter oder Der Herr der Ringe? Würdest du gerne tausende Menschen bei Lesungen begeistern und mit deinen Worten etwas in ihnen auslösen?
Dann geht es dir wie mir und wie vermutlich den meisten Menschen. Tatsächlich scheint auf vielen Bucket Lists „ein Buch schreiben“ zu stehen, sei es nun ein Fantasy-Epos, ein Kinderbuch für die Enkel*innen oder die eigenen Memoiren. Für die meisten bleibt das eigene Buch allerdings ein flüchtiger Traum, dem sie nicht ernsthaft nachgehen und dies vermutlich auch gar nicht wollen. Es ist manchmal einfach schön, sich vorzustellen, das eigene Buch in den Händen zu halten.
Doch dann gibt es noch diejenigen, die die Sache mit dem Buch schreiben ein bisschen ernsthafter angehen. Ab dem Moment, in dem du dich dafür entschließt, dieser exklusiven Gruppe angehören zu wollen, tauchen allerdings schon die ersten Fragen Zweifel auf. Zumindest war es bei mir so.
Welche Fragen das genau waren und wie ich diese im Laufe der Jahre für mich beantwortet habe, erfährst du genau jetzt:
Was muss ich tun, um Autor*in zu werden?
Grundsätzlich darf sich jede*r Autor*in nennen. Dafür sind weder eine Ausbildung noch ein Studium nötig, denn der Begriff ist nicht geschützt wie etwa Polizist*in oder Steuerberater*in. Sobald du Wörter zu Papier (oder Bildschirm) bringst, bist du im Grunde ein*e Autor*in. Um einen Roman zu schreiben und zu veröffentlichen, bedarf es allerdings doch noch ein wenig mehr als nur die reine Fähigkeit zum Schreiben. Ein wenig theoretisches Wissen über diesen kreativen Prozess schadet nicht, um sich nicht direkt nach dem ersten Absatz des künftigen Bestsellers in eine Sackgasse zu schreiben.

Gibt es eine Ausbildung für Romanautor*innen?
Die schlechte Nachricht zuerst: Es gibt weder eine offizielle Ausbildung noch ein Studium für Autor*innen, denn der Begriff ist – wie bereits erwähnt – nicht geschützt. Natürlich kannst du dich für ein geisteswissenschaftliches Studium einschreiben. Dort wirst du bestimmt viel lernen, was dich als Autor*in weiterbringt, aber eben auch viel, was du beim Romanschreiben nicht brauchst. Außerdem ist kein Studium dieser Welt ein Garant dafür, dass du es irgendwann schaffst, deinen Roman fertig zu schreiben, auf traditionellem Weg veröffentlicht zu werden oder vom Schreiben leben zu können.
Allerdings verrate ich dir jetzt etwas, das du vermutlich niemals für möglich gehalten hättest. Quasi eine geheime Autor*innen-Formel:
Jede Ausbildung und jedes Studium bereitet dich auf den Beruf als Autor*in vor!
Ja, wirklich! Jedes winzige Fitzelchen an Lebenserfahrung hilft dir dabei, ein Buch zu schreiben. Denn Bücher sind nur eine Aneinanderreihung von Worten und Worte sind da, um Emotionen zu transportieren. Unsere Aufgabe als Autor*innen ist es, die richtigen Worte zu wählen und sie in der richtigen Reihenfolge anzuordnen, damit wir am Ende genau die Emotionen hervorlocken, die wir beabsichtigen. Hast du Herzschmerz erlebt oder hast du jemandem über Liebeskummer hinweggeholfen? Hast du Schicksalsschläge erlitten oder schon mal in der Nacht alleine in deinem Zimmer geweint? Kennst du das Gefühl, wenn der Bauch vom Lachen weh tut? Und bist du bereit, diese Gefühle noch einmal zu erleben und sie auf deine Figuren zu übertragen? Dieser Hang zum Fühlen (manchmal auch „Talent“ genannt) ist die erste entscheidende Zutat auf dem Weg zum eigenen Roman.
„Art is never finished, only abandoned“
~ Leonardo da Vinci
Wie fange ich mit dem Schreiben an?
Die zweite Zutat – und jetzt geht es ans Eingemachte – ist das Schreibhandwerk. Richtig gehört. Talent allein reicht nicht. Auch ohne Studium und Ausbildung müssen wir uns mit dem Handwerkszeug der Schrifsteller*innen beschäftigen. Autodidaktisch nennt man das, wenn es nicht im Rahmen einer Ausbildung oder eines Studiums geschieht.
Autodidakt*innen lesen sich ihr Wissen mit Schreibratgebern an. Sie schauen YouTube-Videos übers Schreiben, sie hören Podcasts und ja, sie belegen auch Schreibkurse. Von denen gibt es tatsächlich eine ganze Menge.
Wir leben im Zeitalter der Autodidakt*innen, können alles online lernen und das ist einerseits ein Segen, andererseits kursieren aber auch viele weniger fundierte Schreibtipps. Häufig muss man ein wenig graben, um Tipps zu finden, die zum eigenen Wissenstand passen und die einen wirklich weiterbringen.
Wenn du dich für den Weg der Schriftstellerei entscheidest, muss dir klar sein, dass du niemals auslernen wirst und dass du niemals alle Tipps wirst beherzigen können. Also stress dich nicht. Dieser Marathon hat keine Ziellinie.


Üben, üben, üben!
Was Autodidakt*innen noch machen, ist schreiben. Jap, echt jetzt. Du setzt dich einfach hin und tippst „Kapitel Eins“.
Manche ziehen es auch vor, mit Stift auf Papier zu schreiben. Probier dich aus, fang einfach an. Schreibe das erste Kapitel und schau, wo Probleme auftauchen. Diese Probleme kannst du dann mit Hilfe von Ratgebern oder (Online-)Mentor*innen lösen.
Versuche dem Drang zu widerstehen, dich zu sehr auf das Endprodukt zu fokussieren, das schürt nur Ungeduld und steht deiner Kreativität im Weg. Erste Entwürfe sind da, um überarbeitet oder ganz gelöscht zu werden. Und ehe du dich versiehst, hast du ein erstes Kapitel. Ob objektiv gut oder schlecht spielt erstmal keine Rolle. Verbesserungsbedarf haben wir alle.
Glückwunsch, du bist jetzt offiziell Autor*in!
Konkrete Anlaufstellen für Schreibende
Falls du in der Flut an Informationen im Internet ein paar konkrete Tipps für erste Anlaufstellen brauchst, I gotcha*.
Ich persönlich bevorzuge übrigens englischsprachige Ressourcen, wenn du also dieser Sprache mächtig ist, lohnt es sich, auch dort mal reinzuschauen.
Diese Liste ist bei Weitem nicht abschließend und ist vor allem an Anfänger*innen gerichtet. Der Vollständigkeit halber habe ich verfügbare Schreibstudiengänge mit aufgelistet.
Wenn du weitere konkrete Tipps hast, schreib mir gerne eine E-Mail an kontakt@miriam-weidauer.de, dann füge ich sie der Liste hinzu.
Deutsch
- Annika Bühnemann (YouTube, Blog, Kurse)
- Fernstudiengänge der textmanufaktur
- VHS-Kurse
- Romane schreiben und veröffentlichen für Dummies von Axel Hollmann und Marcus Johanus
- Uni-Kurse für Studierende
- Geisteswissenschaftliche Studiengänge wie Germanistik, vergleichende Literaturwissenschaft, Anglistik, etc.
- Literarisches Schreiben in Leipzig oder Hildesheim
Englisch
- Abbie und Kate Emmons (YouTube, Podcast)
- Kostenlose Uni-Kurse auf Coursera
- Kurse der Curtis Brown Creative Literary Agency
- Kurse der Faber Academy
- Creative Writing Studiengänge an englischsprachigen Universitäten (auch online möglich)
*alle Empfehlungen erfolgen aus freien Stücken, ich habe keine Bezahlung dafür erhalten.