1. Januar 2026, zunehmender Mond im Zwilling
Mein innigster Wunsch war es immer Autorin zu werden. Ich will Welten und Figuren erschaffen, die meine Leserinnen genauso begeistern und beeinflussen wie mich selbst. Ich will so tief in meine Geschichten eintauchen, dass ich möglicherweise darin ertrinke und ich will mich von Abenteuern entführen lassen, die nur in meinem Kopf stattfinden. Ich will mit Tinte auf Papier halluzinieren. Und dennoch habe ich im letzten Jahrzehnt mehr Zeit damit verbracht, Bildschirme anzuglotzen, als einen Stift in der Hand zu halten.
Meine Reise als Autorin hat lange vor der Veröffentlichung meines Debüts im Jahr 2023 begonnen. Jahrelang habe ich jedes YouTube-Video zum Thema Schreiben geschaut und habe alle Informationen über das Schreibhandwerk weggeatmet, als wären sie die Luft, die mich umgibt. Schreiben ist nicht nur meine Leidenschaft, es ist eine richtige Obsession.
Warum also habe ich seit Februar 2025 kaum ein Wort geschrieben? Wieso kann ich mich nicht dazu überwinden, mich an meinen Schreibtisch zu setzen? Jeder Tag, an dem ich wieder nicht geschrieben habe, triggert Scham und Selbsthass. Ich hasse mich dafür, dass ich all den Ablenkungen nicht widerstehen kann, die mich dauerhaft umgeben; allen voran mein Handy. Eine moderne Autorin zu sein bedeutet, wunde Finger zu haben – nicht vom vielen Schreiben, sondern vom Scrollen durch all die süchtig-machenden sozialen Medien, die unser Leben längst dominieren.
„Du musst auf Social Media sein, um dein Buch zu vermarkten oder du verschwindest in der Versenkung. Du musst zwei Plattformen wählen, die du regelmäßig bespielst. Du musst das und jenes posten. Deine Autorinnenmarke aufzubauen ist einfacher, als du glaubst.“ Und immer so weiter …
Das sind die Tipps, die ich jahrelang gehört und auch geglaubt habe. Aber warum habe ich dann seit April trotzdem kaum ein Buch verkauft? Warum lungere ich zwei oder drei Stunden am Tag auf den sozialen Medien herum, wenn ich währenddessen auch spazieren gehen könnte? Oder lesen? Aus dem Fenster starren oder … das nächste Buch endlich fertig schreiben?
Vor einigen Wochen wurde mir eines klar: Niemand ZWINGT mich zu irgendetwas. Die Tipps der Social Media-Gurus da draußen sind gut gemeint, aber am Ende des Tages eben nur Tipps und auch wenn es kitschig klingt: Meine Zeit hier ist begrenzt, genau wie deine, und anstatt weiterhin um jede Followerin auf Instagram zu betteln, kann ich diese Zeit auch klüger investieren. Ich möchte Autorin sein? So sei es. Ich werde schreiben und Social Media nur nutzen, wenn es unvermeidbar ist. Ich habe Cal Newports „Digitaler Minimalismus“ gelesen und ich habe mir eine Schreibmaschine bestellt. Außerdem bin ich schon mehrere Male ganz ohne Handy spazieren gegangen und ich lebe noch. Das sind zwar nur die ersten Schritte und ich bin noch lange nicht „clean“, aber 2026 wird das Jahr, in dem meine Handysucht endlich sterben muss.
In diesem Sinne: Happy New Year!





