Wir alle kennen die Sehenswürdigkeiten in Megastädten, den Eiffelturm, den Big Ben und Naturschauspiele wie die Niagarafälle. Doch was ist mit den Orten, die vielleicht gar nicht so bekannt oder so weit weg sind? Was versteckt sich in den verwinkelten Gassen der Welt, die kaum ein Tourist je betritt? Welche Ideen, Impulse und Überraschungen halten sie für uns bereit? Und viel wichtiger: Welche Geschichten erzählen sie? Wahre oder erfundene, ganz egal.
Meine Liebe zu Prag begann plötzlich und ohne Vorwarnung. Ich weiß nicht mehr, warum ich damals genau dorthin gefahren bin, kurz nachdem ich meinen sicheren Job gekündigt habe. Ich weiß nur noch, dass ich mich Hals über Kopf verliebte und seitdem alle Städte von Prag in den Schatten gestellt werden. Der einzige Grund, warum ich noch nicht dort lebe, ist die Sprachbarriere.
So stellte sich für mich auch gar nicht großartig die Frage, WO Tales of Toria 2 spielen sollen. Ich habe nicht darüber nachgedacht. Meine Finger haben ganz automatisch PRAG getippt und ich habe diese vier Buchstaben nie wieder gelöscht. Meine Intuition hat entschieden und ich bin ihr gefolgt.
The Alchemist Bar
Dort, in Prag, hat auch meine Faszination für Alchemie begonnen. Zum ersten Mal in Kontakt kam ich mit diesem seltsamen Wort durch die Alchemist Bar, in die mich meine beste Freundin schleppte und die ich seitdem schon mehrere Male besucht habe. Hinter der leicht zu übersehenden Eingangstür dieser Bar wurde auch die Idee zur Figur eines Alchemisten geboren, der am Tag Tränke in seinem Labor braut und in der Nacht Cocktails mixt. Ein Mann in blütenweißem Hemd und schwarzer Weste, den eine mystische Aura und der Duft nach teurem französischem Rasierwasser umgibt. Dieser Alchemist ist gleichzeitig Hauptfigur von Tales of Toria 2, toxischer Liebhaber, liebevoller Vater, verrücktes Genie und durchtriebener Bösewicht.
Speculum Alchemiae
Wer sich tiefer mit der Geschichte von Prag beschäftigt, findet schnell heraus, dass die Stadt im 16. Jahrhundert unter Rudolph II. zur Hochburg der Alchemie wurde. Der König lud namhafte Wissenschaftler, Astronomen und Alchemisten zu sich in das Herz Europas ein, um diese Menschen auf die Suche nach dem Stein der Weisen zu schicken. Heute wissen wir, dass es nicht möglich ist, Atome eines chemischen Elements wie etwa Blei in ein anderes chemisches Element, beispielsweise Gold, zu verwandeln. Aber früher wusste man das noch nicht. Damals herrschte der Glaube, dass eine Substanz existieren müsste, die eine solche Transformation möglich machen würde UND gleichzeitig ein Elixier für ewige Jugend wäre. Die Suche nach dieser Substanz, die unter dem Namen Stein der Weisen bekannt ist, nannte man Magnum Opus (lat. großes Werk).
Das versteckte, unterirdische Labor von Rudolph II., über dem heute der Eingang zum Museum Speculum Alchemiae ist, wurde erst im Jahr 2002 durch einen Zufall während eines verheerenden Hochwassers wiederentdeckt. Das Gebäude selbst gehört zu den ältesten der Stadt.
Střelecký ostrov (Schützeninsel)
Ein besonders magischer Ort ist die Schützeninsel mitten in der Moldau, die durch eine Brücke erreicht werden kann. Dort gibt es Schwäne, Nutrias (ziemlich große, fette (tschuldigung) Biberratten) und einen tollen Blick auf die Stadt, besonders bei Nacht, wenn alles erleuchtet ist. Wenn man Glück hat, kann man auf der Insel auch ein kostenloses Open-Air Konzert genießen.
Prager Rathausuhr
Das wohl bekannteste Wahrzeichen von Prag ist die astronomische Uhr am Altstädter Rathaus. Diese zeigt nicht nur die Uhrzeit, sondern auch den Stand von Mond und Sonne, Tierkreiszeichen und das Kalenderdatum an. Zu jeder vollen Stunde schlägt die Uhr und setzt gleichzeitig die Figuren, die die zwölf Aposteln darstellen, in Bewegung.
Die Uhr stammt aus dem 15. Jahrhundert. Der Sage nach, soll man dem Baumeister Hanuš nach Fertigstellung der Uhr die Augen ausgestochen haben, damit er kein weiteres solches Meisterwerk mehr anfertigen konnte.
Vyšehrad
Der Burgwall Vyšehrad liegt auf einem Hügel und bietet einen wunderbaren Blick über die Moldau. Die Burgmauern beherbergen die Basilika St. Peter und Paul, sowie den Vyšehrader Friedhof, auf dem viele bekannte tschechische Persönlichkeiten bestattet wurden.
Außerdem soll Vyšehrad Teil des sogenannten „magischen Dreiecks“ von Prag sein, das drei energetisch besonders hochschwingende Orte miteinander verbindet. Genau deshalb spielt dieser Ort in Tales of Toria 2 auch eine entscheidende Rolle.
Die zwei anderen „Ecken“ dieses Dreiecks sind das Speculum Alchemiae und und die Prager Burg.
Franz Kafka Museum
Kafka lebte gar nicht in Deutschland, sondern in Prag. Genau wie Rainer Maria Rilke. Habt ihr das gewusst? Ich bis vor Kurzem noch nicht. Was die beiden mit Deutschland verbindet, ist die Sprache, denn weit bis ins 20. Jahrhundert hinein war Deutsch neben Tschechisch Amtssprache in Prag.
Prager Weihnachtsmärkte
Und noch ein Geheimtipp zum Schluss: Zwar gibt es in Prag auch einen großen Weihnachtsmarkt auf dem Altstädter Ring, doch wer zur Vorweihnachtszeit durch die Straßen der Stadt streift, wird auch noch viele andere kleine, große und versteckte Weihnachtsmärkte finden. Und lasst euch gesagt sein: Die Trdelník (Baumstriezel) dort sind die besten ;-). (Trdelník sind übrigens nicht wie weithin angenommen eine typisch tschechische Spezialität, sondern eher ein Marketing-Gag für Touristen. Lecker sind sie trotzdem.)





